Virologin

Wo die Corona-Forschung auf Hochtouren läuft

01.04.2020

Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Was viele über das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in Bezug auf die Corona-Forschung nicht wissen. Ein Experten-Interview mit der Mikrobiologin Dr. med. vet. Katharina Müller.

Im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr gehört die Untersuchung selten vorkommender Erreger und Toxine, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden können, zum täglichen Forschungsgebiet.

Das Institut zählt nicht zuletzt aufgrund seiner modernen Ausstattung und des voll akkreditierten stationären Labors zu den besten Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet des Medizinischen B-Schutzes in Europa. Hier wurde auch der allererste Coronavirus-Fall in Deutschland getestet.

  • Dr. med. vet. Katharina Müller ist Mikrobiologin und Stabsveterinärin im Kompetenzbereich Bakteriologie und Toxikologie am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr.
     
  • Sie ist unter anderem verantwortlich für die Untersuchung der Abwehrreaktion des Menschen gegen gefährliche Krankheitserreger (Serologie)
     
  • Seit dem Auftreten von SARS-CoV-2 ist sie an der Corona-Forschung beteiligt und wirkt an der Durchführung von Testsystemen bzgl. des Virus mit.
     

Frau Dr. Müller, welche Aufgaben gehören konkret zu Ihrem Forschungsalltag?

„Ich beschäftige mich im Kompetenzbereich Virologie mit der Immun-Antwort des Menschen gegenüber verschiedensten Krankheitserregern. Zusammen mit meinem Team untersuche ich zum Beispiel Antikörper-Reaktionen. Wir versuchen herauszufinden, wann diese entstehen und wann man sie am besten nachweisen kann.“


Sie haben einen veterinärmedizinischen Hintergrund und befassen sich nun aber mit dem menschlichen Körper – wie kam es zu der Umstellung?

„Im Bereich der Immunologie ist der Unterschied zwischen Tieren und Menschen nicht sehr groß. Als Lebewesen bilden sie die gleichen Antikörper, viele unserer Antworten sind also übertragbar. Unser Institut befasst sich hauptsächlich mit dem Menschen, die Umstellung war für mich nicht schwierig.“


Sie beschäftigen sich zum einen mit Viren, Erregern und Bakterien, die unter Umständen Pandemien auslösen können, und zum anderen mit Giften, die auch als Bio-Kampfstoffe eingesetzt werden könnten. Ist das richtig?

„Das ist richtig. Unser Hauptschwerpunkt liegt auf allem, was als potenziell waffenfähig klassifiziert werden könnte. Dazu gehören auch Erreger, deren Waffenfähigkeit in der Vergangenheit schon bewiesen und eingesetzt wurde. Standard-Erreger gehören also nicht zu unseren Schwerpunkten. Wir sind auf außergewöhnliche Viren und Bakterien spezialisiert.“

Virologin im Labor

Mikrobiologin Dr. med. vet. Katharina Müller untersucht im Labor Proben ©Bundeswehr / Martin Bühler

Wie hat sich das Institut auf das neuartige Coronavirus vorbereitet?

„Als klar war, dass sich das Virus auch in Deutschland ausbreiten würde, hat das Institut schnellstmöglich gehandelt. Das heißt, es hat sich bereits sehr früh um die Besorgung entsprechender Materialien gekümmert. Das war wichtig, um rechtzeitig diagnostische Verfahren und validierte Tests an möglichen Infizierten durchführen zu können. Die ,Vorbereitung‘ auf das Virus hat fünf Tage gedauert. Die Tests basieren auf einer Guideline der WHO.“
 

Wie ging es dann weiter und was war bzw. ist Ihre Aufgabe im Hinblick auf das Coronavirus?

„Nachdem der erste Schritt der Akut-Diagnostik getan war, ging bzw. geht es gegenwärtig auch darum, Antikörper nachweisen zu können. Das ist der zweite Test neben der Akut-Diagnostik. Da ich mich mit Antikörper-Reaktionen beschäftige, bin ich sofort auf das Projekt der Virologie beim neuartigen Coronavirus umgestiegen.“


Warum ist der Antikörper-Nachweis wichtig?

„Der Nachweis ist von hoher Bedeutung, denn damit können wir retrospektiv feststellen, wie viele Menschen tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert waren. Der Antikörper-Nachweis dient zur Aufklärung des Virus. Es ist epidemiologisch wichtig, um bspw. bestimmen zu können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, an dem Virus zu sterben. Mit dem Nachweis sind wir hinterher – hoffentlich – in der Lage, herauszufinden, ob Menschen eine Immunität aufweisen können oder nicht. Das geht allerdings nicht nur auf den Antikörper-Nachweis zurück, sondern erfordert noch weitere Tests, die wir zurzeit durchführen.“


Kooperiert das Institut an dieser Stelle mit anderen Einrichtungen?

„Ja. Wir arbeiten mit vielen zivilen Partnern und Instituten zusammen.“

Virologen im Schutzanzug

Mikrobiologin Dr. med. vet. Katharina Müller in Vollmontur im Labor mit Kolleginnen und Kollegen ©Bundeswehr / Martin Bühler

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag angesichts der aktuellen Lage aus?

„Natürlich ist die Situation momentan besonders. Alle Bereiche des Instituts haben das Thema Corona gemein. Das führt allerdings auch zu einer außergewöhnlichen Gruppendynamik und löst ein Team-Spirit im ganzen Institut aus. Wir arbeiten selbstverständlich auch viel, aber man merkt den Unterschied kaum. Wir haben alle den Ansporn, schnell Lösungen zu finden. Niemand schaut auf die Uhr.“


Was bedeutet es für Sie persönlich, an einem Thema zu forschen, das so aktuell ist und eine hohe gesamtgesellschaftliche Relevanz hat?

„Es ist von Bedeutung, weil es so anwendbarist. Wir entwickeln nichts, was möglicherweise erst in ein paar Jahren von Relevanz ist  – sondern etwas, was akut gebraucht wird und angewendet werden kann. Das fördert den Ansporn.“

Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, eine Karriere bei der Bundeswehr anzufangen? Wie zufrieden sind Sie in Ihrem beruflichen Umfeld?

„Ich bin sehr zufrieden bei der Bundeswehr. Ich hatte schon vor meinem Studium überlegt, über die Bundeswehr zu studieren. Das ist in der Tiermedizin allerdings nicht ganz so einfach. Es werden im Jahr nur sehr wenige Tiermediziner eingestellt. Deswegen war ich mir am Anfang sehr unsicher und habe nach dem Abitur ein Studium auf ziviler Basis aufgenommen. Die Idee, bei der Bundeswehr tätig zu sein, hat mich allerdings nie losgelassen. Die Mikrobiologie bei der Bundeswehr ist ganz anders als an einer normalen Uni, weil das Anwendungsumfeld breiter ist und sie dieses besondere Erreger-Spektrum hat. Da ich nach der Promotion in die Bakteriologie musste, habe ich mich also dazu entschieden, meine Ausbildung am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr zu Ende zu führen.“
 

Wie empfinden Sie die öffentliche Wahrnehmung der Bundeswehr im Hinblick auf die aktuelle Lage?

„Im Zuge der Amtshilfe ist die Bundeswehr natürlich ein Gesprächsthema. Viele wissen jedoch nicht, dass die Bundeswehr die erste Institution war, die die anfänglichen Fälle in Bayern untersucht hat. Ohne die Bundeswehr hätte niemand diese ersten Diagnostiken durchgeführt. Das ist leider etwas untergegangen. Ansonsten erhalte ich viel positives Feedback zur Bundeswehr in Zeiten von Corona.“
 

Würden Sie die Bundeswehr als Arbeitgeber weiterempfehlen?

„Ja. Ich beschäftige mich durch die Bundeswehr mit sonderbaren Erregern – das ist genau das Richtige für mich und macht meinen Alltag abwechslungsreich und spannend.“
 

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Virologen im Labor mit Schutzanzug

Mikrobiologin Dr. med. vet. Katharina Müller arbeitet mit einem Kollegen im Labor in Vollmontur an Proben ©Bundeswehr / Martin Bühler

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